Carl von Hessen (1744-1836)

Für ein tieferes Verständnis der Freimaurerei und ihrer Geschichte halte ich eine Beschäftigung mit Carl von Hessen für sehr hilfreich. Einige Bilder aus seinem Leben seien hier mitgeteilt.

Carl wurde am 19.12.1744 in Kassel oder Frankfurt geboren als dritter Sohn des hessischen Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel und der Prinzessin Marie von England, Tochter des dermaligen englischen Königs Georg II. aus dem Hause Hannover. Carls älterer Bruder Wilhelm, *1743, war Anwärter auf den Kasseler Thron. 1747 kam noch ein Nachkömmling hinzu. der den Namen Friedrich erhielt.

Die Familie wurde durch den geheimen Übertritt des Vaters zum Katholizismus etwa 1748/49, die erst 1754 bekannt wurde, zerrissen. Carl schreibt später: "Mein Vater, der Ebprinz, wechselte die Religion; mein Großvater Wilhelm VIII. regierender Landgraf, glaubte sich verpflichtet, seine Enkelkinder davor zu bewahren, katholisch zu werden. Das hat den Lauf unseres Lebens entscheidend geprägt." Marie lebte zunächst weiterhin in Kassel bei ihrem Schwiegervater, während Erbprinz Friedrich nach Unterzeichnung einer Assekuranzakte, die den Landständen versicherte, dass kein öffentlicher katholischer Gottesdienst gefeiert werden würde und die protestantische Religion nicht angetastet werden würde, Kassel verließ und nach einem Zwischenspiel in einer Art ehrenvoller Gefangenschaft in Hersfeld bis zum Tode seines Vaters in Preußische Dienste trat. Carls Mutter lebte fortan getrennt von ihrem Mann, liess sich aber nicht scheiden, um die Erbansprüche ihrer Kinder nicht aufs Spiel zu setzen.

Die drei Söhne wurden über die Grenze nach Göttingen verbracht, wo der König von England, der auch in Hannover regierte, seit kurzem eine Universität hatte gründen lassen. Aufgrund der oftmals unzureichenden Studienvoraussetzungen, die die Lateinschulen und akademischen Gymnasien erbrachten, konnte man den Unterrichtsstoff der Elementarschulen an den Universitäten nachholen. Das gab den noch jungen Knaben - Carl war gerade 10 geworden - die Möglichkeit, immatrikuliert zu werden. Neben den Hochschullehrern war den Kindern u.a. der Schweizer Pädagoge Severy zugeordnet. Marie legte besonderen Wert auf den Unterricht in der englischen Sprache, wofür extra ein Professor ins Haus kam.

Ein halbes Jahr später stellte Marie ihre drei Söhne ihrem 72jährigen Vater, dem König Georg II. von England in Herrenhausen vor. Am 6.8., am Abend vor ihrer Rückreise erhielt jeder der drei Enkel kniend vom englischen König einen Degen aus Gold. Carl war 10 1/2 Jahre alt, als er diese Auszeichnung erhielt, die wie ein Ansporn zu ritterlichem Handeln gewirkt haben muß. Es war kein Ritterschlag, aber die moralische Wirkung muß ähnlich gewesen sein. Ein Jahr später hatte König Frederick V. sie zu einem Besuch nach Altona eingeladen. Seine inzwischen verstorbene erste Frau war eine Schwester Maries gewesen. Die Knaben machten einen guten Eindruck auf ihn, sie durften täglich mit ihm essen.

Der schleichende Ausbruch des siebenjährigen Krieges liess in Marie und dem alten Landgrafen den Entschluß reifen die drei Knaben vorsichtshalber nach Kopenhagen zu schicken.

Marie von England war eine geniale Erzieherin, wie aus den Briefen hervorgeht, die sie jedem einzelnen in reicher Fülle schrieb. Sie forderte in ihnen die moralische Selbständigkeit heraus und erzog sie in allem streng und frei.

In Kopenhagen wird Carl von König Frederick erzogen. Carl darf hier die pietistische Enge des Kasseler Hofes mit einer Metropole tauschen, in der die Pflege der bildenden Künste und des Theaters zu Hause sind.

Der dänische Hof sprach damals Deutsch, denn das Haus Oldenburg regierte. Der dänische Nationalismus erwachte erst zwanzig Jahre später, wenn auch einzelne wie der Maler Nicolai Abildgaard, der Lehrer von Friedrich und Runge, bereits eine künftige Gefühlswelt vorausnehmen.

Frederick erkannte die militärische Begabung Carls. 1758 erhielt der nahezu fünfzehnjährige Carl das Patent eines Obersten der Infanterie der Dänischen Armee. Eine besondere Vorliebe entwickelte Carl für die Marine. 1760 übergab ihm Frederick nach der früheren Ehrenernennung den tatsächlichen Befehl über das Regiment "Falster".

Als 17jähriger nahm Carl jedenfalls zum ersten mal an einem Feldzug teil. Als Peter III. Dänemark bedrohte und mit russischen Truppen in Mecklenburg einfiel, rückte auch Carls Regiment in Mecklenburg ein. Der Tod Peters verhinderte die tätlichen Auseinandersetzungen.

Mit 19 war Carl bereits königlicher Major, mit 21 Jahren wurde er General der Infanterie, Präsident des Kriegsrates, Großmeister der Artillerie und Chef der Garden. Als Frederick V. 1766 starb, hatte Carl bereits eine steile Karriere hinter sich.

Ein Brief in der Züricher Stadtbibliothek aus dem Jahre 1762, der Carl von Hessen zugeschrieben wird, scheint zu belegen, dass Carl 1762 eine Cavaliersreise nach Italien durchgeführt hat, die mit einigen Abenteuern verbunden war, die der junge Carl mit Mut und Ausdauer bestand.

Landgraf Wilhelm VIII. hatte zur Sicherung der Einkünfte seiner Schwiegertochter Marie einen Teil der hessischen Lande aus dem Verbund herausgelöst: die Grafschaft Hanau. Als Wilhelm VIII. 1760 starb, wurde sein Enkel Wilhelm sofort Alleinherrscher in Hanau.  

 

Wird fortgesetzt ...

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© Rolf Speckner