Das Freimaurer-Rittertum

Bei einem Besuch in der Bücherei der Provinzialloge von Niedersachsen (GLLFvD) in der Moorweidenstraße 16 fiel mein Blick auf ein Manuskript von einem ehemals bekannten Freimaurer des 19.Jahrhunderts, Bruder Dr. Deecke. Das Manuskript zeigt redaktionelle Bearbeitungsspuren, wurde also von Br.Deecke einmal für eine Veröffentlichung vorgesehen oder ist sogar in einer freimaurerischen Zeitschrift vor 1914 abgedruckt worden.

 

Sein im folgenden abgedruckter Vortrag gibt in einleitender Weise Auskunft darüber, warum sich Freimaurer als solche bezeichnen und warum ein Teil der Freimaurer sich Ritter nennt und den Bund einen Orden. Jeder neu an den Freimaurerbund herantretende wird ihn mit Gewinn lesen können. Die humanitären Kritiker des Ordens werden den Orden besser verstehen und tolerieren können.

 

Der Vortragstext stammt ursprünglich aus dem Archiv der Johannisloge ‚Carl zum Felsen‘ in Altona. Das Manuskript befindet sich jetzt in der Bücherei der Provinzialloge von Niedersachsen (Signatur DEE 40). Dr. Ernst Deecke hat den diesem Wortlaut zugrundeliegenden Vortrag am 3. Februar 1848 gehalten, ob in Lübeck oder in Altona, das damals noch nicht zu Hamburg gehörte, sondern zu dem vom dänischen König regierten Schleswig-Holstein, ist mir nicht bekannt. Am Ende des Textes steht ein weiteres Datum, nämlich der 28.6.1848. Es scheint das Datum der endgültigen Niederschrift des Textes zu sein.

 

Br. Ernst Deecke, geb. am 1. Oktober 1805 in Lübeck, ebendort Professor und Stadtbibliothekar,  ein ausgezeichneter Kenner der nordischen Geschichte,  1848 Abgeordneter seiner Vaterstadt zum Frankfurter Parlament, wurde 1824 in die Loge ‚Zum Füllhorn‘ in Lübeck aufgenommen, 1828 nach II und III befördert und erhoben, 1829 Redner, 1832 Sekretär, 1837 Abgeordneter Meister, 1848 vorsitzender Logenmeister. Er hat bis zu seinem Tode am 24. April 1862, also 33 Jahre lang, seiner Loge als Beamter in seltener Treue und Hingebung gedient.

Br. Ernst Deecke. Über das Freimaurer-Ritterthum und das Wort Orden

Die Lehren, welche die Freimaurerei darbietet, sind dreierlei Art: moralische, historische und dogmatische.[i] In den ersten Graden ist vorzugsweise von den moralischen die Rede, weil unserem Orden vor allen Dingen daran liegt, treue, ehrbare und gute Männer zu seinen Mitgliedern zu zählen, und weil ohne die rechte Ausbildung des Herzens und des sittlichen Bewußtseins überhaupt jede Wahrheit eine zweideutige Waffe wird in den Händen desjenigen, dem sie nutzen soll. Allein daran ist sowenig die historische als die dogmatische Seite der Freimaurerei von der Stufe, auf welcher wir uns befinden, auszuschließen, daß Andeutungen in Bezug auf beide schon im ersten Grade vorkommen.

Freilich bestehen sie oft nur in einzelnen, gleichsam hingeworfenen Wörtern; da man

[2]  sich aber bei jedem Worte auch etwas Bestimmtes denken soll, und die Freimaurerei von ihren Mitgliedern mit Recht erwartet, daß sie besonnene, nachdenkende und prüfende Männer sind, so begnügt sie sich damit und überläßt es ihrem Verstande, nach den weiter gegebenen Andeutungen sich den Begriff der Worte, die sie gebraucht, zu entwickeln und zu verdeutlichen. Jeder Vortrag, den die Loge bietet, kann daher nur in diesem Sinne gemeint sein: er ist nur der gefaßte Ausdruck dessen, was jeder Bruder, durch eigenes Nachdenken geleitet, sich selbst sagen sollte, ja was ihm während der Zeit, da die Loge sich nicht versammelt, beschäftigen muß; denn nur auf solche Weise wird er auch veranlaßt, die Richtigkeit der gegebenen Lehren im Leben selbst zu erkennen und durch eigene That zu bewähren.

Zu den Wörtern nun, welche ganz besonders neben dem moralischen Sinn auch einen historischen haben, gehört das Wort Orden. Ich weiß wohl, daß es von

[3] manchen Seiten hart angegriffen, ja mit entschiedenem Tadel verworfen ist, und dass man statt seiner das Wort Bund oder Verein oder Gesellschaft angenommen hat. Aber mit Unrecht. Orden hängt zunächst mit dem Begriffe Ordnung zusammen und bezeichnet einen geordneten Bund, eine Gesellschaft oder Vereinigung, welche nicht nach zufälligen Anlässen und willkürlichen Grundsätzen verfährt, sondern deren ganzes Wesen, deren gesamte Einrichtung eine gewisse und bestimmte Ordnung ausmacht, die eingehalten werden muß, wenn anders der Bund seinen festen Bestand haben soll. Wo aber Ordnung ist, da ist alles an seiner rechten Stelle, da wird jede Kraft auf die richtigste Weise benutzt, da thut jeder, was ihm obliegt, im ganzen Umfange und mit voller Kraft; da ist jeglicher bemüht, nach den gegenseitigen Vertraun und der freundlichen Gesinnung, die ihn als Menschen, als Bürger, als Christen auszeichnen sollen, alles zu vermeiden, was Unruhe, Störung, Verdrüßlichkeit und Zwist zu erwecken, zu

[4] nähren vermag; - und so wird sich, wenn auch nur im Kleinen, ein Bild des großen und weit umfassenden Plans und Entwurfes darstellen, den der höchste Meister selbst mit seinem Zirkel auf dem Reißbrett vorgezeichnet hat. Wie aber Ordnung dem Menschen zum Lobe gereicht, wie ein geordnetes Hauswesen, wo alles nach festen Grundsätzen und mit gehörigen Rücksicht auf die Mittel und Kräfte seiner Glieder fortschreitet, den Hausvater und alle, die ihm helfen, auszeichnet und ehrt: so ist auch mit dem Worte Orden der Begriff der Auszeichnung und der Ehre verbunden, die auf einem wahren Verdienste beruht, oder doch aus einer nützlichen Bemühung hervorgeht, und damit sind auch gewisse Rechte und Vorzüge verknüpft, die den Mitgliedern des Ordens vorzugsweise und eigenthümlich zustehen.  Wenden wir uns nach diesen Erörterungen zu dem Worte Freimaurer-Orden, so wird gewiß keionem unklar sein, weshalb gerade unser Verein diese Benennung

[5] angenommen hat. Ohne allen Zweifel wollte er damit bezeichnen, daß es ihm auf Ordnung besonders ankomme; daß sein eigentliches Wesen auf treuer unverbrüchlicher Verwirklichung derjenigen Grundsätze beruhe, die er lehrt; daß er von jedem seiner Mitglieder die strengste Erfüllung seiner Verpflichtungen erwarte, daß er Macht hat, die Auszeichnungen und Vorzüge und Rechte zu gewähren und aufrecht zu erhalten, welche er verleiht. Welches aber die Grundsätze und Verpflichtungen sind, die jedes Ordensmitglied zu erfüllen hat, gibt er deutlich genug in seinen Lehren an; welches dier Auszeichnungen und Vorzüge, das bestimmen die Gesetze, deren Beobachtung und Befolgung jeder Bruder zu überwachen hat, im Allgemeinen; im Besonderen aber gehen sie aus der Geschichte unsres Ordens hervor, deren ich zunächst gedenken will.

Ich muß jedoch zuförderst einen Irrthum beseitigen, welcher durch Verwechslung von Begriffen entstanden ist und fortwährend das größte Unheil, am meisten unter den Freimaurern selbst, zur Folge hat. Die Geschichte der Freimaurerei ist nämlich

[6]  zweierlei Art, die nicht miteinander vermengt werden darf. An sich heißt Geschichte der Freimaurerei nur die Erzählung von der Art und Weise, wie unser Orden entstanden ist, sich ausgebildet und verbreitet und endlich die Gestalt angenommen hat, in welcher er jetzt besteht. Diese Mittheilung erfolgt auf einer höheren Stufe als die ist, wo wir uns jetzt befinden, hingedeutet ist auf sie freilich auch schon hier, und mit dem Meistergrad beginnt geradezu ihre, wenn man so sagen darf, dramatische Darstellung; was der Freimaurer dort erfährt, ist ein Theil der [inneren] Geschichte des Ordens; aber auch die Receptionen in die früheren Grade sind auf geschichtliche Ereignisse begründet. Ich komme nachher hierauf zurück, muß aber bemerken, daß es auch ein Zweites giebt, was man Geschichte der Freimaurerei nennt, nämlich die Darstellung der Art und Weise, wie seit dem Jahre 1716 von England aus die Freimaurerei aus ihrer Verborgenheit

[7] hervortrat, und in welcher Gestalt sie den verschiedenen Völkern des Erdballs zu eigen ward. Man berücksichtigt dabei in der Regel bloß die äußere Form, und da diese offenbar von den ehemals befreiten, später zünftigen Maurern hergenommen ist, so gibt man uns einmal eine Geschichte der Maurerzunft, die zwar an sich ganz interessant ist, aber nicht in unsere Logen gehört, und zweitens eine Geschichte des Logenwesens, oder richtiger gesagt, des Logenunwesens, das im vorigen [18.] Jahrhundert getrieben ist, und uns freilich näher angeht, im Grunde aber doch nicht den eigentlichen Inhalt und Stoff der Sache, sondern nur ihre Form betrifft. Freimaurerei und Logenwesen sind aber so verschieden von einander, wie Christenthum und Kirche, und so wahr das Christenthum an sich die reinste und edelste Ueberzeugung gewährt, die je gewesen ist und sein wird, eben so wahr ist es doch auch, daß keine einzige von allen kirchlichen Partheien dieser Überzeugung vollkommen und ganz entspricht, ja daß jede höchst unvollkommen ist. Wie nun aber die

[8] Geschichte des Christenthums, insofern diese christliche Gesinnung und christliches Leben bezeichnet, eine ganz andere ist als die Geschichte der christlichen Kirchen, die sich aus zufälligen Anlässen gebildet, einander gehaßt, verfolgt, bedrängt, ausgetilgt haben, so ist auch die Geschichte der Freimaurerei und des Logenwesens durchaus voneinander verschieden; über das letztere erhält der Freimaurermeister in den Meisterinstructionslogen vollkommene und befriedigende Kenntniß; die erstere dagegen fängt erst an, sich ihm zu enthüllen. Die eigentliche Geschichte der Freimaurerei ist nur sehr Wenigen bekannt; die Geschichte des Logenwesens im vorigen Jahrhundert aber kann man aus der Menge Druckschriften kaum lernen; je genauer man sie aber erforscht, um so eher kommt man zu dem Resultat, daß alles Unheil aus größerer und geringerer Abweichung von den einfachen Ordenslehren hervorgegangen ist.

Nachdem ich nun diese Begriffe,

[9] hoffentlich zum letzten Mal und für immer  berichtigt habe, kehre ich zu der Behauptung zurück, daß die Auszeichnungen und Ehren, welche dem Worte Freimaurer-Bruder entsprechen, im Einzelnen sich aus der Geschichte der Freimaurerei nachweisen ließen, und knüpfe daran auch das, was ich über die geschichtliche Bedeutung der Reception schon in die ersten Grade gesagt [habe]. Ich will hier nur auf einen an sich geringfügigen Umstand aufmerksam machen, der indessen bezeugen mag, wie in unserem Orden alles auf das engste zusammengehört und aus einem Guße ist. Die Schüssel, welche bei der Aufnahme in den Lehrlingsgrad als Symbol der engeren Vereinigung dem Leidenden unter die Brust gehalten wird, trägt eine bildliche Darstellung, welche Christum zeigt, wie er von seinen Anklägern vor seinen Richter geführt wird, und dieser, von seinem leidenden Zustande tief ergriffen, ausruft: seht! Welch ein Mensch! Schon ein halber Blick genügt, um die Aehnlichkeit zwischen dieser Darstellung und der Lage dessen,

[10] der da aufgenommen, und nicht umsonst Leidender genannt wird, zu erkennen. Die Beziehung,  ja enge Verbindung zwischen beiden höchst ergreifenden Momenten liegt ja auch so nahe. Wer Freimaurer wird, übernimmt nach seinen Kräften die heilige Verpflichtung, nicht allein an seiner Vollendung zu arbeiten, sondern auch für das Wohl seiner Mitmenschen unablässig zu wirken, ihre Tränen zu trocknen, der Not zu wehren, dem Laster Kerker und der Tugend Tempel zu bauen. Aber das ist keine leichte Aufgabe, sondern die Schwerste: das sieht er nun bei jenem Akt der Reception wie im Spiegel am Bilde desjenigen, welcher, wenn irgendeiner, ein treues Herz für seine Brüder hatte und, wiewohl er ohne Sünde war, doch den Tod der gemeinsten Verbrecher sterben mußte. Nur zu wahr ist es, was ich Ihnen schon oft über die tiefe Bedeutung des Gebrauchs gesagt habe, der uns so oft verdacht ist, dass wir den Aufgenommenen die Schwerter entgegen halten. Wer für das Glück der Menschen

[11] wirken will, muss auf das Schlimmste gefasst sein; das ist eitel Täuschung, ihm vorspiegeln, wie er überall mit offenen Armen aufgenommen wird; im Gegenteil tausend Wunden werden ihn treffen, oft gerade da, wo ers am wenigsten erwartet, ja wo ers am wenigsten verdient hat; auf Schmähung, Haß und tödliche Verfolgung muß er sich gefaßt halten, wie sie die edelsten des Menschengeschlechts zu allen Zeiten und in allen Ländern betroffen. Man müßte keinen Sinn für Wahrheit haben, wenn man die einleuchtende Wahrheit dieses Zuges leugnen wollte oder könnte. Nun aber hatten die nächsten Nachfolger Christi Jahrhunderte lang ein gleiches Schicksal, wie ihr Meister, zu befürchten oder zu bestehen. Darum war es natürlich, daß man, wo sie ins Christenthum aufgenommen wurden, ihre Standhaftigkeit, ihren Muth, ihre tugendhafte Gesinnung erprobte; daß man ihnen Prüfungen auflegte, die in ihr Herz und ihre wahre Wesenheit blicken ließen; daß man ihnen wie in einem Bilde vorhielt, ja sie erleben ließ,

[12] welches das Loos ihres göttlichen Meisters unter den Gewaltigen dieser Welt gewesen war. Und so waren denn freilich die Ceremonien, welche man damals bei der Aufnahme ins Christentum übte, sehr verschieden von der heutigen Taufe. An abgelegenen, verborgenen, wohlbedachten Örtern versammelte man sich bei den Gebeinen der Brüder, die für ihre Überzeugung gelitten hatten und gestorben waren, im falben Dämmerschein, durch Wachen geschützt; mit verbundenen Augen führte man den neu Aufzunehmenden, dessen man noch nicht gewiß war, durch düstere und beschwerliche Gänge an den Ort der Versammlung; dort ließ man ihn unter den Schauern des Todes furchtbare Eide schwören; dort zeigte man ihm, wessen er sich zu gewärtigen habe, wenn er seinen Freunden ungetreu würde, oder in die Hände seiner Feinde fiele. Dies alles ist aus der Geschichte so bekannt, daß es nicht geleugnet werden kann; aber wir wissen aus ihr auch, daß es, nachdem das Christenthum kein Verbrechen mehr war, nachdem sich eine große und allgemeine Kirche gebildet

[13] hatte, an Verfolgungen derer nicht fehlte, die sich von ihr entfernt hielten, und dass eben diese Kirche eine große Zwangsanstalt wurde, die jeden Abtrünnigen, jeden nach Wahrheit auf eigenem Wege Strebenden verfluchte und vertilgte; ja wir haben in unseren Tagen noch die offenbarsten Beweise, wie wenig die so hoch gepriesene und überall verkündete Gewissensfreiheit vorhanden ist und geübt wird. Ist es demnach zu verwundern, wenn man vor vielen Jahrhunderten, wo Arglist und Bosheit und Gewalt dergestalt überhandnahmen, dass Offenherzigkeit ein Fehler, Verschwiegenheit eine Tugend und Vereinigung gegen Tyrannei Notwendigkeit ward, die alten Formen, die im Grunde noch denselben Sinn hatten, beibehielt, wenn man auch manches milderte, ja daß man noch heute, wo die Sache ganz dieselbe ist, sie in dieser Weise andeutend übt? Ist denn die Menschheit wirklich soweit gediehen, daß der Freund der Menschheit, der Vertreter des Rechts, der Anwalt der Unterdrückten überall der Märtyrerkrone entgeht?  Daß die Tugend siegt und das Laster scheu zurückflieht? O wir sind noch weit

[14] von diesen Zeiten entfernt; die Leidenden sind noch durchaus nicht auf dem rechten Wege, und wer das Wohl der Menschheit will, hat noch immer keinen anderen Weg vor sich, als den, sich zu opfern. Und das gerade ist der schärfste Beweis für die Aechtheit unseres Freimaurerordens, daß er diese Wahrheit anerkennt und lehrt, bis sie überflüssig geworden sein wird.

Wir aber ersehen zunächst daraus, daß es uns zur höchsten Auszeichnung und Ehre gereichen muß, einem Verein anzugehören, der nicht allein solche Aufopferungen kennt, sondern auch anerkennt, sie nicht bloß lehrt, sondern auch zu üben verpflichtet, sie nicht nur nicht leugnet, sondern auch die höchsten und edelsten Vorbilder darin aufstellt.

Wahrlich in diesem Sinne heißt es mit recht, daß hier Hirtenstab und Königskrone, und Bauernkittel und Purpurmantel gleichen Wert haben; denn überall wo der Menschen Herz für die edelsten Gründe des Lebens zittert und schlägt, überall wo der Mensch Gut und Blut an die Beglückung

[15] und Erhebung seiner Brüder wagt, überall, wo die Hand wenn gleich ungesehen, doch unermüdet für das Wohlsein Andrer tätig ist, da ist wahre Würde und ächte Ehre, da die schönste und höchste Auszeichnung und Zierde, wie sie kein Stand, kein Beruf, kein Amt verleihen kann, und vor welcher jeder Unterschied, wenn auch meist nur vor dem Auge des höchsten Meisters, völlig verschwindet. Und zwar ist diese Ehre und Auszeichnung gerade der Freimaurerei eigenthümlich. Denn ob wir allzumal Sünder sind, das hat jeder mit seinem Gott auszumachen; aber ob wir allzumal Brüder sind, das ist Sache des ächten Freimaurers, wie des ächten Christen ohne Unterschied, welcher Kirche, welcher Loge er angehöre.

Das Wort Orden giebt aber auch einem andren Worte seine volle Bedeutung und empfängt wieder von ihm die nöthige Aufklärung: das ist das Wort Ritter. Wir werden nämlich bei unsern Aufnahmen zu Freimaurer-Rittern gemacht, und mit diesem Ausdruck auch sonst öfters bezeichnet. Dies hat nun

[16]  ungemeinen Anstoß gefunden; man hat es auf Mord und Todschlag bezogen, hat es als Eitelkeit oder Hochmut ausgelegt, hat es für unbrüderlich erklärt, ja uns verspottet, als wenn wir auf Abentheuer und Heldenthaten auszuziehen gedächten mit Schwert und Schild. Wir können den Gegnern diesen Triumph gern gestatten; er ist wohlfeil, denn er kostet kein Geld. Unsere Riten geben die deutliche Erklärung, in welchem Sinne der Ausdruck Ritter zu verstehen ist, und einem vernünftigen Freimaurer ist es auch nie in den Sinn gekommen, denselben anders anzusehen. Aber er ist geschichtlich sehr wohl begründet, denn man nannte viele Jahrhunderte hindurch Personen, die ihren Arm der Wahrheit, der Treue, dem Recht, der Ehre liehen, nicht etwa Maurerlehrlinge und Gesellen, sondern Ritter; ja der Name Freimaurer ist erst sehr späten Ursprungs, und gehört in eine Zeit, wo man vom Ritterthum eigentlich nichts mehr wußte. Da nun aber das Wort Orden auch Personen geistlichen

[17] Standes bezeichnet, wie man z.B. noch von Mönchsorden redet, solche Personen aber nicht frei sondern der Herrschaft der Bischöfe und Päpste unterworfen waren, so brauchten unsere Väter das Wort Ritter, um ihre freie Geburt, ihre Unabhängigkeit von kirchlichem Einfluß, ihren ehrenwerthen Stand, ihren hohen Beruf zu bezeichnen, und sogar Fürsten, die ihnen Schutz und Gunst gewährten, bestätigten dies, wie unseres Ordens Urkunden ausweisen. Die englische Großloge, welche so oft für den Menschheitsbund aufgerufen wird, bestrebte sich, wie Schneider, Krause und andere ehrenwerthe maurerische Geschichtsschreiber lehren, in ihrer Verfassung, Form und Gebräuchen, den Johanniterorden, den Hosenband- und Bathorden nachzuahmen, um zu einem ähnlichen Ansehen und Glanz wie jene, vor der Welt und im Staate zu gelangen; das sogenannte Konstitutionenbuch der englischen Großloge, worauf sich sonst unsere Gegner immer und immer berufen, behauptet in allen Ausgaben, und ebenso die amtlichen

[18] Calender einen geschichtlichen Zusammenhang zwischen den Freimaurern und Rittern des Tempelherrenordens, dessen Güter 1312 dem Johanniterorden zugewandt sind. Der Geschichtschreiber der Großen Loge von Schottland, Alex Lawrie, der aus ihren Archiven schöpfte, sagt folgendes: „Als das Ritterwesen zuerst erschien, war der moralische und politische Zustand von Europa in jeder Rücksicht bejammernswürdig. Die Religion Jesu existierte nur dem Namen nach. Ein entehrender Aberglaube war an ihre Stelle getreten und drohte der Vernunft und der Würde des Menschen den Untergang. Die politischen Rechte der niederen Stände wurden dem Interesse der höheren aufgeopfert. Der Krieg wurde mit einer Wildheit und Grausamkeit geführt, welcher nur den blutgierigen Kämpfen der Raubtiere glichen; da war keine Gnade für den Besiegten, noch Menschlichkeit für den Gefangenen. Das weibliche Geschlecht selbst war widernatürlich herabgewürdigt; es war zu den mühseligsten Beschäftigungen verdammt und selbst von

[19]  denen verlassen und verachtet, auf deren Schutz und Theilnahme es einen so natürlichen Anspruch hat. Diese Uebel zu heilen, bildeten einsichtsvolle und fromme Menschen eine Gesellschaft, deren Mitglieder sich durch einen Eid verpflichteten, die christliche Religion zu vertheidigen, die christliche Moral zu üben, Wittwen, Waisen und das schwächere Geschlecht zu schützen, und nicht durch Waffen, sondern durch Richterspruch die Streitigkeiten über Gut und Habe zu entscheiden. Aus solcher Vereinigung entsprang unbezweifelt das Ritterthum, das eine so bedeutende Veränderung in den Sitten und der Denkweise der Mächtigen hervorbrachte. Konnte es auch die Unwissenheit und Verderbtheit, aus welcher jene schrecklichen Uebel entsprangen, nicht ganz ausrotten, so milderte es doch die Wildheit des Krieges, gab dem schwächeren Geschlecht die Stellung wieder, auf die es so gerechten Anspruch hat, flößte jenen Edelmuth, jene Theilnahme und Freundschaft ein, welche so viel zur Civilisierung der Welt

[20] beigetragen haben, und brachte jene Grundsätze der Ehre, welche den Zügellosen oft in Schranken hielten, wenn moralische und religiöse Betrachtungen keinen Eindruck auf sein Gemüt machten.“  An einer anderen Stelle sagt derselbe Schriftsteller: „Es würde unnötige Mühe sein, zu beweisen, daß die Ritter des Tempels ein Zweig der Freimaurer sind. Dieses Factum ist von der Freimaurerei einstimmig anerkannt, und ihren Feinden hat nichts mehr am Herzen gelegen, als diesen Punkt recht sicher zu stellen. Die Brüder haben es sich gefallen gelassen, nicht, weil es zu ihrer Empfehlung gereicht, sondern weil es wahr ist, und jene haben es behauptet, weil sie es mittels ein wenig Sophisterei zum Nachtheil ihrer Gegner brauchen konnten.“ – Krause, der so gelehrt und so umsichtig forschte, wenn er auch oft das Ziel verfehlte, sagt in seinen Bemerkungen zu

[21] dieser Stelle, nicht ein Zweig der Freimaurer  wären  die Tempelritter gewesen, die Freimaurerbruderschaft sei älter, aber ihre geheime Religionslehren ohne Zweifel mit denen der Tempelherren verwandt geweßen, weil sie aus einer Quelle geschöpft, und ebendeshalb hätten sie auch mehrere Gebräuche gemeinsam gehabt.  Die Tempelherrnmasoneien, sagt er weiter, hatten ihre Maurergesellschaften unter sich, welche ihre Bauten besorgten, und mehrere, die im Tempelherrenorden hohe Ämter bekleideten, standen zugleich als große Baumeister vielen Logen in England vor. An einem wechselseitigen Verkehre beider selbständiger Institute, im Mittelalter, ist nicht zu zweifeln.

Ich habe hier absichtlich Brüder reden lassen, die nicht unseres Systems sind, um Ihnen zu zeigen, daß wir nach dem eigenen Zugeständnisse Andersdenkender

[22] wohl ein Recht haben, uns Ritter zu nennen; und will zu ihrer eigenen Prüfung noch kurz die Gebräuche mitteilen, die bei der Aufnahme zum Ritter beobachtet wurden.  Sie werden daraus erkennen, wie diese den bei den ersten Christen und bei uns üblichen im Wesentlichen völlig gleich sind, besonders wenn wir abrechnen, was seit der Annahme der maurerischen Formen hinzugekommen ist.

Die Erziehung zum Ritter begann mit dem 7.Jahre. Sobald der Knabe dieses vollendet, trat er als Lehrling in das Gefolge eines angesehenen Ritters, wo er durch die Geschäfte des Dienens, durch geistige Bildung und gehörig geleitete Waffenspiele in Gehorsam und körperlicher Gewandtheit geübt ward und sich zur Gottesfurcht und Ehrerbietigkeit gegen Frauen gewöhnte. Nach 7 jährigem Dienste ward der Edelknabe vor dem Altar bei brennenden Kerzen feierlich zum Knappen

[23] oder Gehülfen seines Herrn geweiht, wobei ihn der Priester mit einem Degen umgürtete und segnete, auch wohl durch einen Streich erinnerte, es sei das letztemal, daß er eine derartige Behandlung zu erdulden habe, da er sie fortan mit dem Schwerte zu rächen vermöge. Nun war er der stete Genosse seines Herrn, der ihm durch die That den lehrreichsten Unterricht ertheilte und Gelegenheit gab, zu erproben und zu beweisen, wiefern er selbst Gefahren und Beschwerden zu übernehmen und zu bestehen vermöge. Siebenjährige Prüfungen des Gehorsams und der Treue bereiteten so den vor, welcher einst selbst befehlen sollte, und mancherlei Handarbeit, Kunst und Rede bildeten so Körper als Geist. Erst nach dem 21.Jahre ward der Knappe zur Ritterwürde gelassen, gewöhnlich nach ritterlichem Kampf oder bei festlicher Veranlassung. Durch strenges Fasten und gehörige Reinigung vorbereitet, brachte er in weißer Kleidung

[24] mit einem Priester und seinem Pathen die Nacht vor dem Ritterschlage mit Selbstbetrachtung und Gebet zu, that feierlich und andächtig Buße und empfing, das Schwert um den Hals gehängt, das heilige Abendmahl. So ward er in die Kirche vor den Altar geführt, nahm das Schwert vom Halse und reichte es dem Priester, der es einsegnete und [ihm] wieder um den Hals legte. Mit gefalteten Händen begab er sich nun zu dem, welcher ihm die Ritterwürde ertheilen sollte. Von diesem ward er gefragt, in welcher Absicht er sich um jene Würde bewerbe, und waren seine Antworten genügend, so willigte man in sein Begehren und nahm ihm den Eid ab. Sodann ward er mit allen äußeren Zeichen des Ritterstandes, den goldenen Sporen, dem Panzerhemd, Harnisch, Handschuhen, Wehrgehenk nebst Schwert bekleidet, senkte sich, die Augen und den Geist zu Gott erhoben und seine Hände zum Himmel ausgestreckt, vor dem Altar auf die Knie und empfing die Accolade oder den Ritterschlag.

[25] Dies waren gewöhnlich drei Schläge mit dem Schwert auf Schulter oder Hals unter passenden Worten, z.B. „Zu Gottes und Marien Ehr‘ nimm diesen Schlag und keinen mehr!“ oder : „Sei tapfer, unverzagt und treu!“ Oder man gab ihm einen Schlag auf den Hals und sagte: „Zur Ehre Gottes des Allmächtigen mache ich dich zum Ritter und nehme dich in die Verbindung auf. Aber sei eingedenk, wie dem Weltheilande vor dem Oberpriester Hanna ins Gesicht geschlagen, wie er vor dem Landpfleger Pilatus verspottet, wie er mit Geißeln geschlagen und mit Dornen gekrönt“ – ich erinnere Sie hier wieder an die schon bezeichnete Schüssel – „und vor dem König Herodes mit dem Königsmantel bekleidet und verlacht wurde, und wie er vor allem Volke nackt und verwundet an das Kreuz gehenkt ist. Seiner Schmach zu gedenken, rate ich dir; sein Kreuz auf dich zu nehmen, ermahne ich dich; seinen Tod zu rächen erinnere ich dich.“ – Endlich wurden

[26] dem neuen Ritter Helm, Schild und Lanze überreicht und ein Pferd vorgeführt, auf das er sich in voller Rüstung schwang. Die Gelübde, die er eidlich ablegte, waren in der Regel 12, nämlich:

1. Gott fromm zu fürchten, täglich zu verehren und zu dienen, für den Glauben aus allen Kräften zu streiten und lieber einen tausendfachen Tod zu erleiden, als dem Christenthum zu entsagen.

2. Dem gebietenden Fürsten treu zu gehorchen und für ihn und das Vaterland tapfer zu kämpfen;

3. Wittwen und Jungfrauen und Waisen in aller ihrer Nothdurft zu schützen;

4. ungerechte Kriege zu meiden;

5. unbillige Belohnung abzuweisen;

6. den Befehlen der Oberen unbedingt zu gehorchen;

7. Treue und Wort unverletzlich zu halten;

8. die sieben Tugenden, die man von einem Ritter fordere, nämlich Glauben, Liebe und Hoffnung, Gerechtigkeit, Klugheit, Stärke und Mäßigkeit zu üben;

[27]  9. Die sieben Todsünden, Unmäßigkeit, Schwelgerei, Müßiggang, Stolz, Geiz, Neid und Zorn zu meiden;

10. das gemeine Beste unverletzt in seiner Kraft zu erhalten;

11. einander zu ehren und zu lieben und Hilfe und Beistand zu leisten, wo sich Gelegenheit dazu findet;

12. nie trügerisch und arglistig zu kämpfen.

Außer diesen allgemeinen Gelöbnissen pflegten die Ritter nicht selten sich durch besondere Gelübde der Ehre, der Liebe oder der Religion eidlich zu verbinden, und namentlich waren es in den Zeiten des vollendeten Ritterthums diese Gelübde, welche sie knieend, die Hand auf die Bibel gelegt, aussprachen.[ii]  So sehen Sie denn, meine Brüder, aus welchen Gründen und mit welchem Recht  – soweit ich Ihnen dies auf dieser Stufe entwickeln durfte  –  die Worte Orden und Ritter in der Freimaurerei gebraucht werden und gültig sind. In Ihrem

[28] weiteren Fortgang wird Ihnen manches noch deutlicher werden und Sie werden die Ueberzeugung erhalten, wie alles gekommen ist. Nur darauf muß ich Sie aufmerksam machen, daß jene Worte eben so gut symbolisch sind als viele andere, daß so Orden als Ritterschaft nicht im weltlichen nicht im geistlichen Sinne zu verstehen sind, sondern im geistigen. So wenig der Freimaurer-Lehrling, Gesell und Meister als solcher in ein zünftiges Verhältnis tritt, und zur Aufführung und Hilfe bei Bauten verwandt wird: so wenig sein Schurz, seine Kelle Arbeitsgeräth in dem gewöhnlichen Sinne der Worte sind: so wenig giebt auch der Name Orden und Ritter einen äußeren Anspruch oder einen inneren Werth: er ist hier zunächst eine rein geschichtliche Erinnerung und eine Hindeutung auf Ereignisse aus den Jahrbüchern unseres Bundes und seiner Thätigkeit

[29] für das Wohl der Menschheit. Und wenn in diesem Sinne der Name Freimaurer uns an Personen erinnert, die mit Wissenschaft und Kunstfertigkeit erhabene Werke des Fleißes und großartige Denkmäler ihrer Weisheit und köstliche Zeichen ihres Schönheitssinnes hinterlassen haben: so ruft uns der Name Ritter solche Personen vor die Seele, welche durch Heldenmut und Treue, durch Begeisterung und Edelsinn, durch ein festes und frommes Herz wie durch einen starken und strebenden Arm Zeugniß geben von dem, was der Mensch auch auf anderen Gebieten des Lebens vermag, wenn er ernstlich und entschieden will. Ja, wenn die Freimaurerei, wie uns so oft gesagt wird, sich auf die ganze Menschheit bezieht, warum soll dann bloß alles auf die Kunstfertigkeit der Bauleute zurückgeführt werden: warum müßten, ja wie dürften wir die ungeheuren,

[30] die unermeßlichen Verdienste aller der Menschen übersehen, die sich in Wissenschaft, Kunst, Staat, Religion, geselligem Leben, u.s.w. ausgezeichnet, ja unendlich größeres geleistet haben, als der Bau noch so großartiger Gebäude ist. Denn nicht die äußere Tat ist der Maaßstab für des Menschen Werth, sondern sein Geist, sein Wille, sein Kampf und sein Ringen, sein Werk, das nicht in Ruinen zerfallen kann, das allen Gewalten dieser Welt und dieser Zeit spottet. Und insofern ist das Streben und der Geist des Rittertums ein schöner und erhebender Moment für unsere Ausbildung als Menschen. Denn zwar hat jeder Stand seinen Frieden, seine Last, seine Ehre;  aber es ist ein großer Unterschied, ob man seinen Beruf wie eine bloße Bürde mit sich fortschleppt, wodurch man sich nothdürftig das Seinige erwirbt und doch nie genug: oder ob man ihn wie unsere Riten lehren, mit dem

[31] Muth, mit der Treue, mit dem Edelsinn, mit der Aufopferung, mit der persönlichen Auszeichnung erfüllt und vollbringt, wie die Ritter den ihrigen, wo sie ihn richtig erkannt hatten.

 Ich will Ihnen aber endlich gern gestehen, dass ich eine besondere Veranlassung hatte, gerade diesen Gegenstand zur Sprache zu bringen. In unserer Zeit, die sich unendlich klüger und besser dünkt, als alle vorhergehenden, gilt alles Alte zu oft für veraltet, alles Ueberlieferte für Betrug, alles Geheimnis für Fratze: man prüft nicht lange, sondern wirft als Ballast über Bord, was unbequem ist; und wenn man prüft, so ist man mit dem Urtheil im Voraus fertig und legt dieses seltsam genug als Maßstab an. So las ich denn auch in einem kürzlich neu erschienenen Buche des eklektischen Großmeisters  Kloss über die Geschichte der Freimaurerei in England die Behauptung, dass er nach

[32] seinen Forschungen auf einen Freimaurer-Ritter nur mit verächtlichem Achselzucken herabsehen könne. Da Sie nun solche Äußerung wahrscheinlich auch selbst vernehmen werden, so hielt ich es für das Beste, sie Ihnen selbst bekannt zu machen und daran die Belehrungen zu knüpfen, die Sie mit Recht verlangen dürfen. Da sich nun eine große Zahl der ehrbarsten Männer und Maurer dieses Achselzucken gefallen lassen muß, so ist es unschwer zu ertragen. Ohnehin hat wenigstens mich und gewiß Sie alle ein ritterlicher Sinn Mäßigung gelehrt auch in den öffentlichen Äußerungen über Andere und Andersdenkende, und ich habe, wie Lessing sagt, nie verlangt, daß allen Bäumen meine Rinde wachse, besonders den verstockten nicht. Und so wollen wir denn der Zügellosigkeit, die sich solcher Ausdrücke nicht schämt, die

[33] ritterlich brüderliche Gesinnung und das freimaurerisch ordensmäßige Benehmen entgegen halten, das jeden ächten Bruder zwischen Zirkel und Winkelmaß finden lässt, d.h. immer da, wo Gerechtigkeit, Gewissen und Liebe ihn einschließen. Das geschehe von Allen. - 

28.6.1848

 


[i] Hierfür haben sich in späterer Zeit die Bezeichnungen „mystische“ und „frmrisch-wissenschaftliche“ eingebürgert; der Ausdruck „dogmatisch“ gibt leicht zu Mißdeutungen Anlaß. Schriftl.

[ii] Fußnote: „Zur Ritterschaft gehörten sieben besondere Ehren. Zuerst das Schwert, welches durch Ritterschlag zugeteilt wird; zweitens ein goldener Fingerring mit einem Edelstein, der an den Goldfinger gesteckt wird; drittens ein frommer Knecht, der dem Ritter beständig aufwartet und ihm sein Schwert nachträgt, denn dem Ritter ziemt nicht, das Schwert selbst zu tragen wie ein Büttel. Viertens ist sein Recht, Gold an seinem Leibe und eine goldene Spange an seinem Gewand zu tragen, fünftens ein buntes Kleid von mehrerlei Farben. Sechstens führt er den Ehrennamen Herr, den er nicht seiner Herkunft verdankt, sondern der eigenen Tüchtigkeit, und endlich hat er das Vorrecht, daß man nach Tische Wasser über seine Hand gieße und ihm ein reines Handtuch reiche.“ (Johannes Rothe aus Creutzburg in Gustav Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit, 2.Bd., 1.Abt., S.42). Schriftl.

Letzte Seite des Manuskripts mit Datum und Unterschrift von Br.Deecke
Br.Dr.Deecke: Über das Freimaurer-Ritterthum und das Wort Orden. 3.2.1848
Dr. Deecke entwickelt den Begriff des Rittertums so, dass verständlich wird, dass die Ideale des Rittertums auch heute von ihrer Bedeutung nichts verloren haben. Der Orden wird als eine Gruppe sich selbst frei verpflichtender Menschen beschrieben.
Br. Deecke. Ueber das Freimaurer-Rittert[...]
PDF-Dokument [503.1 KB]
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Rolf Speckner