Mittelalterliche Bucheinbände und Buchdeckel

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Der Einband diese kleinen Buches aus dem Jahre 1756 zeigt den klassischen Aufbau, der mehr als tausend Jahre lang die meisten Buchdeckel geprägt hat: ein rechteckiger innerer Bereich, Spiegel genannt, der von einem Rahmen umgeben ist. Die vier Außenecken des Rahmens sind wie hier oft von einem zusammengehörigen Bildprogramm ausgefüllt wie z.B. die vier Evangelisten, die vier Ströme des Paradieses, vier Elemente, usw.

 

Bei dem Buch handelt es sich um:

La Gerusalemme Liberata  di Torquato Tasso. Venezia 1756.

 

Privatbesitz

Das Buch hat eine bemerkenswerte Geschichte. Der Autor geriet in die Fänge der Gegen-reformation. Es schildert die Geschichte eines Ritters, der Jerusalem auf einem Kreuzzug befreit. Er verliebt sich in eine Jüdin. Die zarten Liebesszenen zwischen dem Ritter und dem jüdischen Mädchen waren den jesuitischen Sittenwächtern ein Dorn im Auge. Auch die Vorstellung, dass Juden, Christen und Muslime  in dem "befreiten Jerusalem" friedlich nebeneinander leben sollten, gefiel ihnen nicht. Sie zwangen ihn eine revidierte Fassung seiner Dichtung zu schreiben, welche die missliebigen Punkte nicht enthielt. Tasso nannte sie "Das rückeroberte Jerusalem"!

Blindgeprägte Deckelprägung eines Buches aus dem 16.Jhdt. Die Prägung erfolgt dabei so, dass die verschiedenen Flächen nicht farbig voneinander abgesetzt sind, Es hängt dann vom Spiel der Sonne ab, ob das Bild sichtbar hervortritt oder nicht.

Es handelt sich um:

In Cornelii Taciti Equitis Romani Germaniam Commentaria.

Autore D. Iodoco Vuillichio Reselliano, Francforti ad Viadrum.... 1551.

Privatbesitz

Buchdeckel. 1150-1175. Rückseite des sog. Sibillenevangeliars aus Nordfrankreich und Maasland. Elfenbein aus Nordfrankreich, Emaille aus dem Maasgebiet. Kupfer vergoldet und versilbert. 33,5 x 23cm. Darmstadt, Hessisches Landesmuseum.

In den vier Ecken sind die 4 Evangelisten dargestellt. Links oben Matthäus mit dem engelhaften Menschen, rechts oben Johannes mit dem inspirierenden Adler, rechts unten Lukas mit dem Stier und links unten Markus mit dem Löwen.

Zwischen ihnen sind vier runde Medaillons an den Seiten angebracht. Sie zeigen die vier Kardinaltugenden: oben in der Mitte die IUSTITIA (Gerechtigkeit), rechts in der Mitte die PRUDENTIA (Klugheit oder Besonnenheit), unten in der Mitte die FORTITUDO (Stärke), die wie Samson dem Löwen das Maul aufreißt, links in der Mitte die TEMPERANTIA (MÄSSIGKEIT).

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© Rolf Speckner