Die Tempelritter

SIGILUM MILITUM XRISTI

Um 1970 herum fiel mir das Buch 'Die Templer' von John Charpentier in die Hände. Seither hat mich das Thema begleitet. Als 2007 der 700. Jahrestag der Verhaftung der Templer heranrückte, ergriff ich aus diesem Anlaß die Initiative zu einer Tagung im Oktober 2007. Es sollte eine anglo-german conference werden. Neben den Freunden Horst Biehl und Alfred Kon, die ebenso engagiert waren, wirkte auch Judith von Halle mit, die bei dieser Gelegenheit erstmals von ihren imaginativ-inspirativ gewonnenen Erkenntnissen zum Untergang des Ordens gesprochen hat. Eine Schauspielgruppe unter der Leitung von Christiane Gerges (damals Schwarzweller) führte ein Templerdrama von Martha Strachwitz auf, das ebenfalls den Untergang des Ordens und die in diesem Untergang gesetzten Zukunftskeime darstellte. Aus England kamen Peter Snow (Edinburg) und Richard Ramsbotham. Peter Tradowski hielt den Abschlußvortrag.

   Die Tagung machte bei unseren englischen Freunden einen solchen Eindruck, dass sie zwei Jahre später im August 2009 eine ausdrücklich daran anknüpfende anglo-german conference im Emerson-College abhielten.

    Alfred Kon und Horst Biehl ist es zu verdanken, dass im März 2014 eine dritte Templertagung - diesmal in Mannheim - durchgeführt werden konnte. 

    In diesen Jahren sind verschiedene Aufsätze aus meiner Feder geflossen, die ich hier versammle, zum Lesen und Herunterladen. Der erste Aufsatz erschien 2007 in der schweizerischen Zeitschrift 'Gegenwart' in einem Sonderheft zum Thema:

Die Ursprungsimpulse der Templer nach Rudolf Steiner.

    Bei Betrachtung der Templer blickt Rudolf Steiner vor allem auf zwei Bereiche: auf die Ursprungsimpulse des Ordens und auf die Art seines Unterganges. Vergleicht man die Geschichte des Ordens mit dem Leben eines Menschen, so zeigt sich: in den ersten Bereich webt sich im Leben jedes Menschen das vorgeburtliche Dasein hinein und der zweite Bereich wirkt in das nachtodliche Leben hinüber.

    Über die Impulse der Templer sprach Rudolf Steiner vor allem als er die höheren Abteilungen seiner esoterischen Schulungseinrichtung vorbereitet. In Berlin und an anderen Orten versuchte er seit 1905, ein Interesse an der Erneuerung der christlichen Esoterik zu wecken. Dabei konnte er anknüpfen an eine freimaurerische Strömung, die ihm die Gelegenheit bot, in ihrem Rahmen eigene Arbeitsformen einzurichten. Aus der Fülle seiner Aussagen soll im Folgenden einiges dargestellt werden.

    Die Tempelritter tragen ihren Namen nach dem Standort des ehemaligen Salomonischen Tempels, an dem sie sich seit 1118 in Jerusalem niedergelassen haben. Dass ein christlicher Orden den Namen eines zerstörten vorchristlichen Heiligtums trug, muss besondere Gründe gehabt haben. Was war der Tempel für die Ritter?

    Als Rudolf Steiner im Mai 1905 „über den verlorenen und wiederzuerrichtenden Tempel“1 sprach, meinte er nicht nur den Bau Salomos, sondern etwas, wofür er ein Sinnbild war. Was der Tempel sein sollte, hatte Jahve schon König David enthüllt: „Ein Haus für meinen Namen“2. Ein Haus nicht für Gott, sondern für seinen Namen? Dies Wort gibt Rätsel auf, zudem das Alte Testament den Namen als „unaussprechlich“3 charakterisiert.

    Es gibt unter Menschen einen Namen, mit dem niemand einen anderen ansprechen kann, obwohl er sich so nennt: der Name „Ich“. Er dringt er nie von außen an unser Ohr, wenn er uns meint. Die Selbstansprache mit dem Wort „Ich“ zeichnet mich zudem als ein göttliches Wesen aus: Ich bin es, der spricht; aber ich bin es auch, der hört. Als Angesprochener werde ich wach dadurch, dass ich – noch unangesprochen selbst spreche. Ich bin es selbst, der hört und spricht. Ich erwecke mich, indem ich mich anspreche. Ich rufe mich selbst hervor. Dieses Wesen findet der Mensch heute in sich.  

    Jean Paul hat erzählt, wie er zum ersten Mal sein Ich erfuhr. Dabei verwandte er Worte, die sonst nur von der Beschreibung des Salomonischen Tempels bekannt sind: „Wie in das verhangene Allerheiligste habe ich da in mein Innerstes hineingeblickt.“4 Dies Erlebnis, das heute jeder Mensch mehr oder weniger stark in seiner Kindheit erfährt, dient Rudolf Steiner als Schlüssel zum Verständnis des Tempels.

    Ein Haus für das göttliche Ich sollte Salomo bauen. Der Auftrag richtete sich durch den König an das ganze Volk, er charakterisiert den Genius des alten Israel.5 Betrachtet man den Weg der dem Bau vorangegangenen Epochen, wird man gewahr, dass sich die Menschheit langsam als Ich in ihrem Astralleib, ihrem Ätherleib und in ihrem physischen Leib ausgebildet hatte. Der Mensch erlebte sich zur Zeit Davids als eine Vierheit. Nun sollte als 5. Wesensglied etwas in den Menschen einziehen und in ihm erwachen, was sich als ein auf sich ruhendes Geistiges erfassen kann: „Zur Zeit Salomos war es, daß das alte Judentum zur Heiligkeit des Jahwe-Namens kam, zu diesem ‚Ich’, das im Menschen wohnen kann.“6 Es kann nur im Menschen wohnen, wenn der Leib es zulässt. Jahve forderte den König daher auf, seinen Leib zu einem Tempel der Gottheit zu machen. Ein äußeres Sinnbild, „ein Symbol des eigenen menschlichen Leibes sollte der Tempel sein“. Erst wenn der Leib zum eigenen geworden ist, wenn „Ich“ darin herrsche, ist er ein Haus Gottes geworden. Wie konnte der Tempel ein Sinnbild dessen sein? Der menschliche Leib verändert sich, indem die Wesensglieder ihn nach und nach durchdringen. Er verändert seine Größe, aber vor allem seine Proportionen. Der Tempel von Jerusalem trug die Proportionen des künftigen Menschenleibes, in den das fünfte Prinzip eingezogen sein wird. 

    Die Maßverhältnisse kannte Salomo. Daher gelang ihm die Errichtung des Tempels. Als Bauleute musste er Männer berufen, die selbst nicht Juden waren. Der Phönizier Hiram von Tyrus und seine Mitarbeiter verstanden es, mit den Stoffen umzugehen, und sich ihre Umgebung nach ihren Wünschen selbst zu gestalten. Salomo konnte ihnen aus seiner Schau den Bauplan mitteilen, dessen Maße und Formen dem zukünftigen Menschen entsprachen. Hiram konnte diese Maße bauen. Die Tempellegende spiegelt das Zusammenwirken zweier Menschheitsströmungen bei der Erneuerung des Menschenleibes wider.

    Der Hauptbau des Tempels war rechteckig.7 Der Eingang mit den Säulen J und B stellte mit der Bedachung ein Fünfeck dar. Durch dieses gelangte man in das Innere des rechteckigen Raumes: „Da sieht man eine Art Altar,“ – Rudolf Steiner meint im kubischen „Oraculum“ – „wir erblicken zwei Cherubim, welche wie zwei schützende Geister über der Bundeslade, dem Allerheiligsten, schweben, denn das fünfte Prinzip, welches noch nicht heruntergestiegen ist, soll von den beiden höheren Wesenheiten – Buddhi und Manas – in Schutz genommen werden.“8 An anderer Stelle fügt er hinzu: „Das Göttliche sollte nun heruntersteigen in die Bundeslade, in die Seele, um als Allerheiligstes in dem Tempel selbst zu wohnen.“9 Und die Beziehung zwischen der Bundeslade und dem Tempel charakterisiert er so: „Derjenige wird sich am besten den Tempel Salomos vorstellen, der sich ihn vorstellt als etwas, was äußerlich, als Physiognomie zum Ausdruck bringt, was die Bundeslade als Seele sein soll.“10 Das Innere des Tempels war zudem mit Gold ausgekleidet: auf eine Weisheit, die aus sich heraus strahlend und leuchtend die Welt verwandeln konnte, war damit gedeutet, die im Innern des Tempels leben sollte.

     Den Menschen zu einem Wesen zu machen, in dem eine sonnenhafte Geistigkeit den physischen Leib ganz durchdringt, dafür sollte der Tempel von Jerusalem ein Sinnbild sein. An diesen Impuls knüpften die Templer an. 2000 Jahre nach Salomo erschien ihnen das Ziel nun als der von der Kraft des Ich-bin, von Christus erfüllte und verwandelte Mensch. Er hatte gesagt, er werde den Tempel, wenn die Juden ihn zerstören, in drei Tagen wieder aufrichten. Die Umstehenden hatten geglaubt, er spreche von dem Tempel in Jerusalem, er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Nicht nur der Steinbau aus Salomos Zeiten, sondern vielmehr der Tempel des menschlichen Leibes war verloren gegangen oder korrumpiert worden, wie die Paradieseslegende erzählt, und Christus war gekommen, ihn zurück zu erobern.

    Doch konnte und kann dies nur mit der Hilfe der Menschen geschehen. Ihren festen Willen, den Sinn zu ändern, braucht Christus: „Weib, dein Glaube hat Dir geholfen.“ Andererseits reichen die Kräfte des Menschen allein nicht aus, den verlorenen Tempel des Leibes wieder zu errichten, er braucht die Hilfe Christi. Freiheit und Gnade ergänzen einander. So wollten die Tempelherren ihren Leib ganz und gar zu einem Tempel machen, in dem durch ihren Willen der Wille Christi allein gilt.

    Bevor das Sinnbild des Salomonischen Tempels maßgeblich wurde, wirkte das Symbol der Arche Noah leibprägend. Die Arche zeigte Proportionen, die der Ätherleib vorgeburtlich annehmen muss, wenn er die Seele und den Geist durch die Fluten der Ätherwelt hinab auf den Boden des physischen Leibes tragen soll.11 Diese Imagination ist verwandt mit dem Kästchen, in dem Moses auf den Fluten des Nils das Ufer erreicht, an dem Pharaos Tochter ihn findet.12 Auch der Kasten, in dem Osiris in das Wasser gestoßen wird und umhertreibt, bis er an die syrische Küste gelangt, spricht davon.13 Die Erzählung von der Arche gab Maße an: 300 x 50 x 30 Ellen. Diese umschreiben in etwa einen auf dem Boden ausgestreckt liegenden, die Arme in der Verlängerung des Leibes nach oben reckenden Menschen.

    Als Sinnbild eines Entwicklungsstadiums sahen die Ritter den Tempel an. Sie sahen auch der weiteren Gang der Menschheit voraus: „Alles, was wir bisher erlebt haben, ist eine Vorbereitung zu dem, was der Erlöser gewollt hat.“ Sie wollten die Seelen der Menschen so lenken, „daß ein echtes, wahres, reines Christentum zum Ausdruck kommt, in dem der Name des Höchsten seinen Wohnsitz hat.“14 So rechnete die  Geheimlehre der Templer mit großen Zeiträumen und bezeichnete diese wie damals üblich mit den Sternbildern, durch deren Kreis die Sonne im Verlauf der Menschheitsentwicklung ihren Frühlingspunkt vorschiebt.

    Ihre Überzeugungen spiegelten sich, wie Rudolf Steiner berichtet, auch in der Form ihrer Messe wider. Gerade das wurde aber missverstanden als eine Abirrung der Templer zu einem „Sternendienst“ oder „Sonnendienst“. Christus, der von sich sagte „Ich bin das Licht der Welt!“,  hat den Sonnendienst auf die inkarnierte Sonnengeistigkeit des Ich-bin übertragen. Zugleich bereitet er, indem er sich mit dem Sonnenhaften im Menschen verband und verbindet, die Vereinigung des Wesens der Sonne mit der Erde vor: eine Vereinigung, die nach der Lehre der Geheimwissenschaft in ferner Zukunft auch als ein kosmischer Vorgang geschehen wird.

    Man kann die Lehren der Templer verstehen, wenn man die gewohnten Begriffe beiseite rückt und die Phänomene selbst zur Seele sprechen lässt. Draußen im Raume sehen wir das wandelnde Bild der Sonne. In uns werden wir gewahr, wie im Quell der Weisheit dieselbe sich an sich erwärmt und zur Liebe entzündet, die uns in Regsamkeit für die Welt versetzt. Aus unserem Inneren strömen Licht, Wärme und Leben. In uns erleben wir das Wesen der Sonne, außer uns sehen wir ihr Bild. Die Himmelserscheinung spiegelt wider, was in dem Wesen, das wir in uns beobachten, geschieht: „So geht die Sonne, die eigentlich nur der äußere Ausdruck unseres eigenen geistigen Lebens ist, ihren Gang am Himmelsgewölbe.“15

    Die Templer glaubten nicht, dass Sterne und Planeten die Entwicklung des Menschen  bestimmen. Sie glaubten vielmehr, dass die Gestirne von derselben Kraft der Liebe getrieben werden, die sie in ihrem Inneren entstehen sehen konnten. Sie kannten das schon in den antiken Mysterien bekannte „Geheimnis der dreifachen Sonne“16.

    Dante sprach als Kenner der Templerweisheit17 in den letzten Zeilen seiner Comedia davon, in denen er sagt, dass in seinem Willen dieselbe Liebe waltet, die auch im Kreisen der Gestirne sich offenbare, und sein Wille in den ihren einfließe. 

    Im zweiten Teil ihrer Messe, der nach Rudolf Steiner nur den Geistesschülern zugänglich war, legten die Templer den Gang der Menschheitsentwicklung dar, deren Kulturepochen parallel zum Gang der Sonne durch den Tierkreis verlaufen. Leider hat Rudolf Steiner diesen zweiten Teil nicht näher beschrieben. Vielleicht darf man Teile seiner Rituale in diesem Zusammenhang sehen, wie z.B. die Wanderung in die Atlantische Zeit bei der Aufnahme in den 1.Grad.18

    In jedem Falle spiegelt aber die Messe Vorgänge, die in der geistigen Welt geschehen, wider. Das macht es möglich, durch das kultische Handeln eine unmittelbare Beziehung zu geistigen Wesen herzustellen, ja zu einem Miteinanderwirken in freier Harmonie zu kommen. Die christlichen Kultformen spiegeln in ihrem Aufbau den Weg des Menschen durch die nachtodliche Sphäre bis zur stärksten Excarnation wider. Man kann diesen Weg durch die Phasen von Offenbarung, Opferung, Wandlung und Kommunion beschreiben.19 In den ersten Tagen nach dem Tod erfolgt die große Bilderschau des vergangenen Erdenlebens als mächtige erschütternde Offenbarung. Das rückwärts verlaufende Eintauchen in die aus dem Selbst erflossenen Taten führt dazu, dass alles Hängen an irgendwelchen dem Wesen nicht entsprechenden Erdenbedürfnissen geopfert wird. Erst danach entsteht die Möglichkeit, in der Seelenwelt ungehindert wahrzunehmen und die Lebenserträgnisse in Erkenntnisse und Fähigkeiten zu wandeln. Der Übertritt aus der Seelenwelt in die reine Geistwelt macht uns schließlich fähig, als reine Geister in vollständiger Wesensdurchdringung mit anderen Menschen zu kommunieren. Daraus ergeben sich die Schicksalsverhältnisse künftiger Erdenleben.

    Dass sich auf dem nachtodlichen Weg auch das Verhältnis des Menschen zu den geistigen Hierarchien fortwährend ändert und in eine Kommunion in der Mitternachsstunde des Daseins einmündet, sei hier wenigstens erwähnt.

    Weil der Kultus der Messe ein Spiegelbild der nachtodlichen Vorgänge ist, ist er geeignet, uns mit den Verstorbenen zu verbinden; sie können darin mitwirken, insbesondere der ebenfalls durch den Tod gegangene Christus, aus dessen Leben verkündigt wird, dessen Opfer vergegenwärtigt wird und dessen Kommunion im 3. und 4.Teil erstrebt und erreicht wird.

     Diese kosmischen Wege der Toten, die Rudolf Steiner ausführlich in den Büchern „Theosophie“ und „Geheimwissenschaft“ darstellt, sind es nun gerade, durch welche die  skizzierte Menschheitsentwicklung im Zusammenwirken mit den Hierarchien Realität wird; sie füllen den Weg des Sonnenbildes durch den Tierkreis real aus. Sie wurden durch eine Himmelsreise der Seele in den alten Mysterien erfahren und erforscht. Der Kultus spricht also fortwährend von dem Weg, auf dem der Mensch durch die Kulturepochen geht, nur nicht explizit. In den alten Mysterien wurde davon in imaginativen Bildern gesprochen, wie z.B. im Heiligen Drama von Eleusis. Die Templer haben nach Rudolf Steiner das, was so in der christlichen Messe veranlagt war, bildhaft rituell ausgestaltet.

     Für die Zukunft ergab sich den Templern „daß das Christentum, das als Saat angefangen hat, noch etwas ganz anderes als Frucht bringen soll .... Daß ein Johannes Aquarius kommen wird, der den alten Johannes erst zur Wahrheit machen und einen Christus verkünden wird, der den Tempel wieder erneuert, wenn der große Zeitpunkt gekommen sein wird, wo der Christus neuerdings zur Menschheit sprechen wird, ... das wurde in den Tiefen der Mysterien der Templer gelehrt.“20 Es muß in diesem Zusammenhang offenbleiben, auf wen der Name Johannes Aquarius sich bezieht. 

     Die umstrittene Verleugnung des Kreuzes, die man ihnen zur Last legte, deutet Rudolf Steiner als Demutsübung.21 Der Templer sollte gewahr werden, daß er in der Lage des Petrus sei. Auch er habe den Herrn dreimal verleugnet. Die Verleugnungen bestehen darin, daß das Ich, indem es zunächst den physischen, den ätherischen und den astralischen Leib vorbereitet, um in ihnen anwesen zu können, diesen Leibern dienen muß. Dabei verliert es zunächst das Bewußtsein seiner Geistigkeit. Die dreifache Herabdämpfung des Ich-bin komme einer Verleugnung gleich. – Später gelang es den Folterknechten diese Erfahrung in ein falsches Licht zu rücken.  

      Die Impulse des Ordens verbinden ihn mit Strömungen wie den Gralsrittern und den alten Rosenkreuzern, die andere Namen trugen, aber an denselben Zielen gearbeitet haben.22 Die Ausgangsimpulse werfen auch ein Licht auf das Ende der Templer. Dieses zweite Thema hat Rudolf Steiner während des 1.Weltkriegs in Vorträgen behandelt, die die geistigen Hintergründe der Geschichte beleuchten sollten.23 Es kann hier nur berührt werden.

      Auf Grund der Macht und des Reichtums des Ordens hat sein Untergang auf dem Felde der Staatenordnung und des Wirtschaftslebens beträchtliche Verwerfungen gezeitigt. Diese sind in vielfältiger Weise von Historikern behandelt worden. Man hat das Schicksal der Ritter mit Erschütterung nachgezeichnet und gefragt, ob sie im Sinne der mittelalterlichen Rechtsauffassung zu Recht verurteilt worden seien. An dem Unrecht des Verfahrens nach heutigen Kriterien kann es keinen Zweifel geben.

      Rudolf Steiner macht nun auf die geistigen Folgen der Folter aufmerksam. Durch sie konnte Phillip der Schöne das selbstverantwortliche Ich der Ritter schwächen, weil durch den Schmerz der Astralleib sich so tief mit dem physischen Leib verbindet, dass das Ich seine Herrschaft einbüßt und den gezielten Einflüsterungen erliegt. In diesen Folterungen zeigt sich demnach der Einbruch einer „geistig“-unmoralischen Macht, die gerade den tiefsten Impuls der Templer, das ununterbrochene Anwesen des Göttlichen im Tempel des menschlichen Leibes angreift. Es dürfte kein Zufall sein, dass diese durchaus teuflisch zu nennende Methode gerade gegen Menschen angewendet wurde, die den christlichen Impuls ganz in sich verwirklichen wollten. Die Gegenspieler Christi traten durch Phillip den Schönen und den Papst auf.

 

Anmerkungen

1   R.Steiner. 15.5., 22.5., 29.5. und 5.6.1905. Über den verlorenen und wiederzuerrichtenden

     Tempel. In: Die Tempellegende. GA.93. S.129-185.

2   1.(3.)Kg.9,7-8. 1.Chron.22, 10 + 19.

3   C.F.Whitley. The Genius of ancient Israel. Amsterdam 1969.S.18-23.

4   Jean Paul. Wahrheit aus Jean Pauls Leben. Kindheitsgeschichte von ihm selbst 

     geschrieben. Breslau 1826. 1.Heft. S.53.

5   Vgl. C.F.Whitley. The Genius of ancient Israel. Amsterdam 1969.S.18-23.

6   R.Steiner. 22.5.1905, Die Tempellegende und die goldene Legende. GA.93. Dornach

     1973. S.144.

7   Zum Salomonischen Tempel vergl.: Albert Jansen. Der Salomonische Tempel. 1999.

8   R.Steiner. 22.5.1905, Die Tempellegende. GA.93. S.145.

9   dito. 29.5.1905. S.161.

10  dito. S.158.

11  R.Steiner. 28.12.1907. GA.93, Anhang, S.334f.

12  Vgl. R.Steiner. Die Bilderschrift der Apocalypse, GA.104a, S.74, und Das

      Prinzip der spirituellen Ökonomie, GA.109, S.149.

13 Vgl. Der Osirismythos. In: Altägyptische Märchen. Bearbeitet von Emma

     Brunner-Traut. Düsseldorf 1976. S.88-93.

14 R. Steiner. Die Tempellegende. GA.93, 22.5.1905, S.146.

15 dito.S.148.

16 Vgl. über „die dreifache Sonne“ R.Steiner. Dornach 18.12.1920. In G.A. 202. Die Brücke.

     S.193-198. 

17 R. Steiner. Die Tempellegende. GA.93, 22.5.1905, S.152.  

18 R.Steiner. Ritualtext für die Aufnahme in den 1.Grad, GA 265. S.172-183.

19 Vgl. F.Benesch. Das Religiöse der Anthroposophie. I. Basel 1985. S.9 ff.

20 R.Steiner. Die Tempellegende. GA.93, 22.5.1905, S.149.

21 dito.S.149-151.

22 dito.S.153.

23 R.Steiner. Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit. Goethe und die Krisis des

     19.Jahrhunderts. 25.9. + 2.10.1916. G.A.171.

Rolf Speckner. Die Ursprungsimpulse der Templer nach Rudolf Steiner.
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